Offener Brief: Junge Frauen brauchen Vorbilder, Frau Schröder!

Offener Brief: Junge Frauen brauchen Vorbilder, Frau Schröder!

Sehr geehrte Frau Ministerin Schröder, anlässlich des Internationalen Frauentags wollen wir Ihnen als junge Frauen schreiben. Wir glauben, dass Sie als eine der jüngsten Ministerinnen, die in Deutschland jemals im Amt war, für junge Frauen in Deutschland eine Vorbildfunktion haben sollten. Als Person des öffentlichen Lebens haben Sie großen Einfluss darauf, wie Frauen in der Politik wahrgenommen werden. Zudem könnten Sie als Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die Entwicklung der Gleichstellung in Deutschland forcieren. Ihre Ablehnung einer verbindlichen Quote für Vorstände und Aufsichtsräte in der Privatwirtschaft hat der Gleichstellung in Deutschland enorm geschadet. Durch diese Ablehnung und die von Ihnen vorgebrachte Argumentation haben Sie in der Öffentlichkeit den Eindruck erweckt, als würde sich das Problem, dass Frauen in Politik und Wirtschaft seit Jahrhunderten und Jahrzehnten extrem unterrepräsentiert sind, allein durch Abwarten lösen. Dem ist nicht so. Denn es sind nicht die Leistungen der Frauen, die sie davon abhalten, wichtige Positionen und Ämter zu bekleiden. Es sind die Strukturen. Strukturen, die über Jahre und Jahrzehnte gewachsen sind. Die Männer begünstigen und Frauen diskriminieren. Dass in den Vorständen der 200 größten deutschen Unternehmen gerade mal 2,5% Frauen sitzen ist doch kein Zufall, sondern hat System. Diese Strukturen müssen aufgebrochen werden. Apelle nützen nichts, weil es hierbei um die Verteilung von Macht und Ressourcen geht. Macht und Ressourcen, die Männer in diesem Land mehrheitlich besitzen. Und die sie nicht freiwillig abgeben werden. Um Gleichstellung herzustellen, müssen diese strukturellen Machtverhältnisse benannt und verändert werden. Dies geht nicht freiwillig mit einer Flexi-Quote, sondern nur mit klaren Regeln qua Gesetz, mit einer 40% Quote, so wie sie viele Frauen aller Parteien mittlerweile fordern. Verschließen Sie nicht länger die Augen vor der Realität, Frau Schröder! Nichts ist schädlicher, als wenn eine Frau behauptet, ein Aufbrechen der Strukturen wäre nicht notwendig. Die Zeit oder auch die Unternehmen würden schon freiwillig das ändern, was sie seit Jahren und Jahrzehnten nicht verändert haben. Nichts ist schädlicher, als wenn eine Bundesregierung zusätzlich eine „Herdprämie“ einführt, die es begünstigt, dass Frauen ihrem Beruf nicht nachgehen, sondern sich in die Abhängigkeit ihres Partners bringen. Mit allen Konsequenzen, die dies für die soziale Absicherung dieser Frauen und ihre Bezüge vor allem im Alter hat. Nichts ist schädlicher, als wenn die Frauen- und Familienministerin Deutschlands es komplett ignoriert, dass Frauen auch im 21. Jahrhundert noch 23% weniger verdienen als Männer. Sehr geehrte Frau Schröder, wir fordern sie auf, in dieser Frage eine Kehrtwende zu vollziehen. Wir möchten sie davon überzeugen, sich für Gleichstellung in Deutschland einzusetzen. Wir möchten, dass Sie als Frauenministerin sich auch endlich für uns Frauen einsetzen. Wir möchten, dass sie verstehen, dass sie mit Ihrer Haltung die Gleichstellung von Männern und Frauen in diesem Land um Jahre zurück werfen. Wir fordern Sie auf: - Führen Sie die gesetzliche Quote für Aufsichtsräte und Vorstände ein. Leugnen Sie nicht länger, dass nur gesetzliche Vorgaben eine Veränderung bewirken werden! - Schaffen Sie die Herdprämie ab. Sorgen Sie nicht länger dafür, dass Frauen in Deutschland Ihre berufliche Zukunft aufgeben! - Führen Sie ein Entgeltgleichheitsgesetz ein, damit Frauen und Männer endlich für gleichwertige Arbeit auch gleich bezahlt werden! Sehr geehrte Frau Schröder, werden Sie ein Vorbild für junge Frauen. Setzen Sie sich für die Gleichstellung ein. Vertun Sie nicht die Chance, die Ihnen Ihr Amt bietet. Setzen Sie ein Zeichen, dass Ihnen die Nöte und Sorgen von Millionen von Frauen in Deutschland nicht egal sind. Wir Frauen haben lang genug gewartet. Wir warten seit Jahrhunderten und Jahrzehnten. Wir fordern: Gleichstellung jetzt! Katharina Oerder, Bettina Schulze, Johanna Uekermann Bundesvorstand der Jusos in der SPD

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