Zivilgesellschaft 2.0 – „Aufstehen gegen Rassismus“ trotz Kontaktverbot

In der ganzen Republik gelten Kontaktverbote und Ausgangsbeschränkungen, bundesweit werden Großveranstaltungen abgesagt und in vielen Bundesländern wurde außerdem ein vorübergehendes Demonstrationsverbot erlassen. Proteste und politische Meinungsäußerungen, die bisher lautstark auf die Straße getragen wurden, sind derzeit faktisch illegal, werden verboten und von der Polizei aufgelöst. Was macht das mit unserer Gesellschaft? Wenn man die Zivilgesellschaft nicht auf den Straßen sieht und hört, gibt es sie dann noch? Und wie funktioniert eine Demokratie, in der die Wirksamkeit der Säule „Zivilgesellschaft“ faktisch außer Kraft gesetzt wirkt?

Zivilgesellschaftliches Engagement funktioniert auch online

Natürlich lassen sich auf diese komplexen Fragen keine abschließenden Antworten finden. Das wollen wir auch nicht. Aber was wir tun können, ist einen Einblick zu bieten. Denn nur weil man die Zivilgesellschaft nicht mehr offen sehen und hören kann, nur weil sie nicht vorm Innenministerium für offene Grenzen oder vor einem Bundesparteitag der AfD demonstriert oder blockiert, sitzt sie nicht still und dreht Däumchen.

Zivilgesellschaftliches Engagement ist viel mehr als Proteste oder Demonstrationen, als Menschenketten und auch mehr als Sharepics und Pressemitteilungen. Und genau das zeigt sich jetzt. Denn schon vor der Corona-Krise haben zivilgesellschaftliche Bündnisse auch politische und gesellschaftspolitische Bildungsveranstaltungen angeboten, wie beispielsweise Workshops, über rechte Strukturen, Organisationen und Parteien, ihre Arbeits- und Wirkungsstrategien und was man im Kampf gegen Rechts dagegen setzen kann. Aufgrund der Corona-Krise mussten auch wir von Aufstehen gegen Rassismus viele unserer Aktionen und Veranstaltungen absagen – von Protesten gegen die AfD und rechten Terror bis hin zu unseren antirassistischen/antifaschistischen Argumentationstraining und den Stammtischkämpfer*innen-Seminaren.

Nazis legen ihre Arbeit angesichts der Corona-Pandemie ja auch nicht nieder: im Gegenteil

Wir bleiben weiter aktiv, schließlich nimmt rechte Hetze auch in der Corona-Krise nicht ab. Im Gegenteil: Nazis und die AfD – als parlamentarischer Arm des rechten Terrors – versuchen, die Verunsicherung und Zukunftsängste zu nutzen, indem sie Muslim*innen, Geflüchtete, Menschen mit Migrationsgeschichte und Andersdenkende zu Sündenböcken stempeln.

Darauf haben wir reagiert und neues Material entwickelt. Um einen Beitrag zu leisten und auf den Etikettenschwindel der Pseudoauflösung des faschistischen „Flügels“ der AfD hinzuweisen, haben wir zum Beispiel mit Aktivist*innen aus der ganzen Republik ein Video gedreht und über Social Media verbreitet. Wir aktualisieren laufend Material zum selbst Ausdrucken und/oder Bestellen, darunter Handreichungen für solidarische Nachbarschaftshilfe, die über rassistisch vergiftete ‚Hilfsangebote‘ von AfD und Co. aufklärt, sowie in Kürze ein Flugblatt zu den gesundheitspolitischen Vorstellungen der AfD und ihrem Agieren in der Corona-Krise.

Zur Eindämmung der Corona-Pandemie führen auch wir derzeit natürlich keine Präsenzveranstaltungen durch. Um auch in diesen Zeiten solidarisch und grenzenlos gegen Corona zu kämpfen und uns gegen die Pandemie des Rassismus wappnen zu können, gehen wir mit unseren Diskussionsveranstaltungen und Stammtischkämpfer*innen-Seminaren online.

Um weiterhin Menschen gegen rechte Parolen und Hetze zu empowern, haben wir dazu dreistündige Webinare mit Diskussionen in Kleingruppen, theoretischem Input und viel Platz für den Austausch über eigene Erfahrungen entwickelt.

Seit knapp einer Woche bieten wir außerdem Onlineveranstaltungen zu vielen verschiedenen Themen wie dem  Antifeminismus der AfD, die Situation der Geflüchteten an den europäischen Außengrenzen oder den völkischen Wurzeln der Klimawandelleugnung durch AfD, NPD und Co. an.

Aufstehen gegen Rassismus 2.0.

Spannend bleiben diese digitalen Vermittlungsformate auch über die Krise hinaus, da sie es uns ermöglichen, Interessierte von überall zu erreichen und beispielsweise auch in Unternehmen oder politischen Gruppen aktiv zu werden, die an unterschiedlichen Standorten niedergelassen sind.

Ihr seht: Auch wenn wir euch nicht zur Teilnahme an Demonstrationen mobilisieren können – es tut sich was und wir bleiben aktiv! Darüber hinaus gab und gibt es mittlerweile zahlreiche Onlinedemonstrationen und -aktionen, die nicht übersehen werden sollten. Schaut bei uns vorbei. Werdet Teil von uns und lasst uns auch weiterhin gemeinsam – wenn auch derzeit ausschließlich im digitalen Raum – aufstehen gegen Rassismus, gegen rechte Hetze und gegen die AfD. Denn die freie, gerechte, offene Gesellschaft und die Welt für alle bleibt weiterhin unser erklärtes Ziel!

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